Seminar, Teil I

Kick off

20170325_114714Am letzten Sam­stag war es so­weit: Der heiß er­sehnte Im­ker­lehr­gang be­ginnt! Schon weit im Vor­jahr an­ge­mel­det um einen der we­nigen be­gehrten Plätze zu er­gattern, bin ich sehr gespannt, wie es wird.

Wie bei den meisten Logen kommt man auch nicht so mir-­nix-­dir-­nix in die Im­ker­schaft. Schon die Auf­takt­ver­an­stal­tung legt die Hür­den hoch: An­we­sen­heits­pflicht bei  sie­ben (In Fingern: IIIII II!) Stun­den Theorie.
Man kennt das vom Marine-­Corps: Da wer­den die Weich­eier aus­sor­tiert, nur die Härte­sten kom­men da durch….Ich beiße also vor­ab schon ein­mal die Zähne zu­sammen, rüste mich mit Wasser­flasche, Schoko­rie­gel und Notiz­buch und stehe pünkt­lichst auf der Matte.

T nulleintausen: Warm-up

10:00 Uhr:
Gemischte Runde, ca 35 Leute, Frontal­unter­richt. Ich wähle die er­prob­te Po­si­tion­ie­rung aus Schul­zei­ten: Rei­he 2, mittig. Da hat man in der Re­gel gute Sicht, wird aber eher sel­ten für Ein-­Frei­williger-­nach-­Vorne-Ex­peri­mente er­wählt.
Zu spät bemerkte ich den stra­tegischen Feh­ler: Das Kaffee-­Keks-­Buffet ist am hin­teren Ende des Schulungs­raums auf­gebaut, weit ent­fernt.
Der Schulungs­leiter tritt vor und er­läutert die Agenda: An­wesen­heit kon­trollieren, in die Wer-­bekommt-­Pizza-­Liste-­eintragen, Pau­sen­zei­ten. Er blickt in die Menge: “ Ende gegen 17:00 Uhr. Oder auch später…“ Ich blicke zu­rück und zucke nicht mit der Wimper.

T elfhundert: Basics

11:00 Uhr
20170325_120650Der Vortragende hält die im­kerliche Mao-Bibel hoch: „Einfach imkern“ von Imker-Inka Dr. Lie­big. Mit deut­lichen Wor­ten macht er klar, dass hier nach Liebig ge­lehrt wird. Un­fug und Dadant wird nicht geduldet. Ich bin be­ruhigt, währ­end zwei Dadant-­Imker mit ge­senktem Kopf be­schämt den Raum ver­lassen.
Es wird dann das be­nötigte Material er­läutert und vor­gezeigt. Mei­ner ei­genen Einkaufsliste ge­denkend, scheine ich bis­her alles rich­tig ge­macht zu ha­ben…
Weiter mit den Bienen-­Basics, Wesen, Art, Funk­tion. Der Typ rechts von mir schwächelt, ihm trä­nen die Au­gen. Um den Druck zu er­höhen, hat der Vor­tragen­de den Beamer mit einer Flacker­funktion aus­ge­stattet und offen­bar eine Weichzeichner-­Linse ver­wendet, die ei­nen das Bild im räum­lichen Dämmer­licht nur ver­schwommen er­kennen lässt. Harter Hund.

T zwölfhundert: Essen fassen

12:00 Uhr
Die Pizza ist da“ lässt uns auf die Beine kommen und Rich­tung Essens­aus­gabe tor­keln. Ich er­gattere ein Stück kühle Veggi-­Pizza und taumle damit blinzelnd ins Sonnen­licht.
Als es weiter­geht, sind die Reihen schon ge­lichtet. Der Typ mit den tränen­den Au­gen hat das Hand­tuch ge­schmissen. Und auch ei­nige an­dere ha­ben den Frei­gang ge­nutzt, um sich ab­zu­setzen.
Weiter mit der imker­lichen Praxis durch das Bienen­jahr: Früh­jahr, Varroa, Tracht, Ernte, Varroa, Honig, Varroa etc. Jedes Thema wird an­ge­schnitten. Die Ver­fehlun­gen der Dadant-­Imkerei wer­den betont und be­gründet. Ich lehne mich in wonniger Selbst­ge­rechtig­keit zu­rück, stehen doch in meiner Ga­rage drei Zander-­Beuten bereit.

T fünfzehnhundert

15:00 Uhr
Be­kannt von jedem Eltern­abend: Ab­wegige Einzel­fall­fragen. Hier strauchelt der Vor­tragende und gerät kurz­zeitig in die Rhetorik­falle. Er ver­sucht gleich­zeitig die Fra­gen zu be­antwor­ten und durch Kör­per­sprache und Ton­fall zu sig­nali­sieren, wie däm­lich die Frage eigent­lich ist. Seine Geg­ner sind aus­gebuffte Profis und hebeln ihn mit der glei­chen Mühe­losig­keit aus, mit der sie auch Ein­wände ge­gen den Dis­kus­sions­be­darf für (oder gegen) koscher-­veganes­ Speise­angebot auf Klassen­fahrten vom Tisch fe­gen.
Der Zeit­punkt ist klug ge­wählt. Alle schielen imm­er häufi­ger auf die Uhr, die Ver­tei­digungs­be­reitschaft lässt nach.  Ei­nige stieren starr nach vorne. Links von mir läuft einer Dame ein Spei­chel­faden aus dem Mund. Einer, der an der Wand sitzt, ist tief und fest ein­ge­schla­fen, Kopf auf der Brust. Wohl eher Bienen­kisten-­Material als echte Zander-­Imker.
Der Vor­tragende kommt wieder auf die Füße und ignoriert die Fra­gen so gut es eben geht. Aber der Zeit­ver­lust ist ein herber Schlag.
Honig­ver­ord­nung, Preis­aus­zeich­nungs­ver­ordnung, Loskennzeichnungsverord­nung, Le­bens­mittel- und Hy­giene­vor­schrif­ten. Wir sind auf der Ziel­gera­den, aber es ist hart.

T siebzehnhundert

17:00 Uhr
Meine Atmung geht flach und rasselnd. Obwohl der Vor­tragen­de so schnell spricht, wie er nur kann, scheint ein Ende nicht in Sicht. Jetzt rächt sich die Zwischen­fragen-­Weich­herzig­keit.
Honig richtig rühren, richtig lagern, richtig auf­tauen. Pro­zess­be­schrei­bung und Ma­ter­ial­an­for­der­ung.
Mein Zunge ist pelzig, mein Kopf summt (← im­ker­licher Wort­witz!), ich kann die Augen kaum noch offen hal­ten.
Nach einer halben Stunden: „Dann bis nächsten Sam­stag um 11:00 Uhr zum er­sten Praxis-­Teil!
Ich komme auf die Bei­ne, habe es ge­schafft: Ich stehe auf der Liste, habe mich in einem ersten Aus­dauer­test be­wiesen und habe für meine Pizza be­zahlt!

Fazit

Ich hatte ja den Winter über ausreichend Zeit, Bü­cher und Zeit­schrif­ten zu le­sen, da­her hatte der theo­reti­sche Teil nicht viel neues für mich. Auch wenn es ei­ne ge­ballte La­dung war: Der Vor­trag war gut ge­hal­ten und sau­ber vor­be­rei­tet. Dem Vort­ragen­den merkt man an, dass er sein Thema mit Lei­den­schaft ver­tritt. Und hoch an­rech­nen muss man auch die Tat­sache, dass hier fast ein gan­zer Sams­tag auf frei­willi­ger Basis der Anbieter ver­braucht wird. Hut ab.
Ich bin gespannt auf nächsten Samstag!

zitat-der-unterschied-zwischen-theorie-und-praxis-ist-in-der-praxis-weit-hoher-als-in-der-theorie-ernst-ferstl-100266


heideblitz!


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